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© Foto: Badischer Rennverein Mannheim-Seckenheim e.V.

Die Rennwiese

Das Wetter ist herrlich und am Neckardamm steht Equipage an Equipage. Bei den Zuschauern herrscht eine „sehr animierte Stimmung“. Am 03. Mai 1868 finden während des Maimarktes in Mannheim erstmals offiziell Pferderennen statt – und der Erfolg übertrifft selbst die kühnsten Erwartungen.

Um die Attraktivität des Mannheimer Maimarktes zu steigern, hatte der Landwirtschaftliche Bezirksverein der Stadt Mannheim Anfang des Jahres 1868 vorgeschlagen, nach englischem Vorbild einen Renntag in das Programm aufzunehmen. Für den Vorschlag sprach die Begeisterung der Mannheimer Bevölkerung für den Pferderennsport, aber auch die guten Erfahrungen des Vereins bei der Durchführung kleiner Hindernis-Rennen in den zurückliegenden Jahren.

Ohne zu zögern übernimmt die Stadt Mannheim einen Teil der Kosten. Sie stellt für die Rennen die im Osten der Stadt am Neckar liegenden „Neuwiesen“ zur Verfügung, die bei den Mannheimern bald nur noch die „Rennwiese“ heißt.

Nach dem überaus erfolgreichen Premierentag erfolgt im Dezember des Jahres 1868 die Gründung des Mannheimer Rennvereins. In fast wöchentlichen Sitzungen werden leidenschaftlich immer neue Pläne zur Zukunft des noch jungen Vereins geschmiedet.

Kurze Zeit nach der Gründung schließt sich der Rennverein der Badischen Offiziere dem Verein an, der sich darauf in den „Badischen Rennverein Mannheim“ umbenennt.

Die Zeichnung stammt aus dem 19. Jahrhundert und zeigt die imposanten Tribünen der ursprünglichen Pferderennbahn auf der Mannheimer „Rennwise“. Heute ist der Platz eine große Freizeitwiese im Luisenpark Mannheim, eingesäumt von Tiergehegen und dem Chinesischen Teehaus. Foto © Stadtarchiv Mannheim

Man glaubt sich in ein mondänes Kurbad versetzt

Mit Mühe kann sich der Wachmann vor den wild einströmenden Fluten retten. Die auf den gelbbraunen Wellen treibenden Holzplanken werden vom Sturm gegen den Pavillon getrieben, der „fast gänzlich zu Grunde geht“. Zum Jahreswechsel 1882/83 führen Rhein und Neckar ein gewaltiges Hochwasser und in der Nacht vor Silvester geschieht das Unglück: Nach dem Bruch des Neckardamms wird die gesamte Rennbahn überflutet.

Die Überschwemmung unterbricht nur für kurze Zeit den Aufschwung der Mannheimer Rennbahn. Energisch betreibt der Verein den Wiederaufbau und bereits um die Jahrhundertwende berichten zeitgenössische Sportjournale begeistert über den Charme der Anlage mit ihren Gebäuden im Stil der Bäderarchitektur:

 „Die Gewinnseite der Rennbahn ist eingerahmt von vier Tribünen, die sich in hellen Farben mit ihren roten Dächern und den schmucken Aussichtstürmen reizvoll abheben von dem lichten Grün des Luisenpark. Man glaubt sich förmlich in eines der großen Luxusbäder versetzt, so bequem, so reizvoll mutet uns die gesamte Anlage an, von der aus wir den Blick auf die schöne Rennbahn genießen.“

Einen Grund zur Freude bietet nicht nur die schmucke Rennbahn. Ebenso freudig begrüßen die Mannheimer in diesen Tagen ein neues Totalisator-Gesetz, das den öffentlichen Toto-Betrieb mit Wettmöglichkeiten für alle erlaubt.

Zwar gilt die Wette am Totalisator offiziell noch immer als Glücksspiel, doch nach intensiver Beratung war denn doch behördlicherseits ein Sinneswandel erfolgt – wobei wohl nicht zuletzt die Aussicht auf gewisse Wetteinnahmen eine nicht ganz unerhebliche Rolle gespielt haben.

Der I. Weltkrieg unterbricht jäh die weitere Entwicklung des Mannheimer Rennvereins. Zwar wird der Rennbetrieb 1920 wieder aufgenommen, doch selbst kleinere Meetings mit einem erheblich eingeschränkten Programm haben wenig Erfolg. Der Rennplatz Mannheim ist im Rennsportkalender noch bis zum Mai 1942 zu finden – dann wird die Anlage auf den Neuwiesen im II. Weltkrieg durch Bombenangriffe vollständig zerstört.

Der Pferderennsport in Mannheim ist auf dem Tiefpunkt, als amerikanische GIs nach Kriegsende auf der ehemaligen Galopprennbahn Golf spielen.


Ein Rennplakat aus den 1920er Jahren. © Foto: Stadtarchiv Mannheim

In den Folgejahren bleibt der Badische Rennverein mehr oder weniger in einer Planungsphase – einzelne Aktivitäten tragen wenig Früchte. Doch nicht weit entfernt, im benachbarten Mannheim-Seckenheim, nehmen Ereignisse ihren Lauf, die für die Zukunft des Mannheimer Pferdesports nicht folgenlos bleiben sollten.